Das Konzept

31. Mai 2010

Pädagogische Ziele

„Ich schütze, was ich liebe“
Kinder, die eine emotionale Beziehung zur Natur und eine offene Verbindung zu allen Wesen der Natur entwickeln, werden auch als Erwachsene eher bereit sein, mit der Natur liebevoll und achtsam umzugehen. Ein wichtiges Anliegen ist es, den Kindern die Liebe zur Natur über gefühlsmäßige und sinn­liche Erfahrungen, die Erweiterung ihrer Kenntnisse von Tieren und Pflanzen sowie durch Erleben ihres Körpers in der Natur zu wecken und zu fördern. Indem diese Erfahrungen ganzheitlich auf Seele, Geist und Körper wirken, und die Kinder zudem ihre Grenzen kennen und Ängste überwinden lernen, wird die Ausbildung des „Selbst-Bewusstseins“ gefördert und ein ganzheitlicher Ein­druck von unserer Welt vermittelt.

Durch das unmittelbare Erleben der Jahreszeiten lässt sich der Wandel, der allem innewohnt, sowie Kreisläufe begreifen und miterleben. Im Spiel mit und in der Natur kommen die Kinder  immer wieder mit Tieren und Pflanzen in Berührung, findet jedes seinen eigenen Zugang dazu und kann so Nähe und Verbundenheit zu anderen Lebewesen entwickeln.

Solche Erlebnisse im Kindesalter sind die beste Grundlage für ein auch in späte­ren Jahren noch tiefes Verständnis für die Umwelt und den Respekt vor jedem Lebewesen. Insofern versteht sich eine ganzheitliche, liebevolle Natur­pädagogik auch als wesentliches Element für den Aufbau achtsamer zwischen­menschlicher Beziehungen.

Sinnesleben
Durch die räumlichen und strukturellen Besonderheiten einer naturnahen Land­schaft und die regelmäßig wiederkehrenden Jahreszeiten ergeben sich natürli­cherweise vielfältige Sinnesanregungen. Die Stille der Natur macht wieder aufmerksam für die kleinen elementaren Sinneseindrücke, führt weg von der Reizüberflutung des Alltags und schult dadurch die Sinne: Das Hören, Riechen, Sehen, Tasten, der Gleichgewichts- und Raumlagesinn gewinnen an Bedeutung:

Ein unebener nicht aufgeräumter Boden stellt hohe Anforderungen an den Gleichgewichtssinn der Kinder. Wenn sie anfangs noch über jedes Stöck­chen stolpern, so üben sie sich zunehmend an diesen Hindernissen und überwinden sie mit immer größerer Selbstverständlichkeit. An diesen Herausforderungen wachsen die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein (z.B. durch einen Bach waten, balancieren auf Stämmen und Steinen …).

In der Natur finden die Kinder die unterschiedlichsten Materialien: Zapfen, Bucheckern, Moos, Rinde, Steine, Lehm… . Hartes und Weiches, Glattes und Raues, Trockenes und Nasses regen die Wahrnehmung durch die Haut an.

Die Stille in der Natur lässt die Kinder wieder horchen, lauschen: Wind in den Bäumen, trockenes Laubgeknister, die Stimmen der Vögel, mal nah und mal fern – das sind andere Geräusche als in einem Zimmer im Kindergarten.

Die Kinder haben in der Natur die Möglichkeit, viele kleine Tiere zu sehen und Pflanzen in Ruhe zu betrachten. Sie beschäftigen sich sehr lange und intensiv mit diesen Lebewesen, verlieren so eventuell vorhandene Scheu.

Ebenso wie sich Farben und Formen im Laufe des Jahres draußen verändern, treten auch verschiedenerlei Gerüche auf, denen die Kinder gern nachgehen: Was duftet hier so intensiv, wo steht denn die stinkende Morchel?

In besonderer Weise fördern der Naturkindergarten und die Waldkinderkrippe den Orientierungssinn. Die Kinder lernen zwangsläufig, sich Geländemarken einzuprägen und über­blicken nach geraumer Zeit „ihr“ Gelände mit seinen örtlichen Besonder­heiten. Diese Übung kann ihnen im doppelten Sinn helfen, sich besser zurechtzufinden in der Welt, in der sie später leben werden.

Die Anregungen in der Natur sind im Gegensatz zu künstlich arrangierten Erfahrungen von besonderer Qualität: Die Kinder lernen durch die Anforde­rungen, die die natürliche Umgebung an sie stellt. Die Jahreszeiten werden in ihrem Wechsel bewusster wahrgenommen: Sonne, Wind, Regen und Schnee zu spüren weckt die Lebendigkeit, fordert die Kinder heraus, darauf zu reagieren. Unerwartete herausfordernde Situationen fördern Flexibilität und Mut.

 

 

 

Körperliche Entwicklung der Kinder


Abhärtung: Durch das tägliche Erleben der Jahreszeiten passt sich der Orga­nismus allmählich den Witterungsbedingungen an und wird weniger anfällig gegenüber Hitze, Kälte, Wind und Nässe. Das Immunsystem wird gestärkt, die Abwehr von Krankheiten aus eigener Kraft wird gefördert. Die Ansteckungsgefahr ist geringer als in geschlossenen Räumen, weil frische Luft keimärmer ist.

Skelettmuskulatur/Innenorgane: Der Bewegungsapparat wird durch viel Bewegung gekräftigt. Die Gefahr von Haltungsschäden, z. B. durch häufiges Stillsitzen und eingeschränkte Bewegungsfreiheit, wird verringert. Die Organentwicklung, z. B. von Herz und Lunge, wird gefördert.

Fein- und Grobmotorik:
Der dauernde Wechsel von Toben, Klettern, Ren­nen, Rutschen, usw. fordert den Körper in vielfältiger Weise und fördert Ausdauer, Geschick, Kraft und Schnellig­keit. Das Basteln mit Naturmaterialien, der Umgang mit Werkzeug und kleinen Pflanzen bzw. Tieren schult die Feinmotorik.

Geistig-seelische Gesundheit
Fantasie und Kreativität: Sie werden im Spiel mit Materialien aus der Natur gefördert. Durch die einfachen, leicht zu bearbeitenden Stoffe bekommen die Kinder ein gesundes Gefühl für ihre eigenen Fertigkeiten. Neugier und der Drang auszuprobieren werden geweckt, weil vorgefertigtes Spielzeug fehlt. Dem verbreiteten lähmenden Überfluss an Spielsachen wirkt die Natur entgegen, indem nur das zum Spielzeug wird, was die Kinder gerade brauchen. Aus jedem Ast lässt sich ein Spielzeug neu schaffen. Der Sinn für Ordnung wird auf das Wesentliche gerichtet, z. B. den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Dabei wird den Kindern viel Zeit für das Freispiel gelassen, um ihrer Kreativität und Fantasie Raum zu geben.

Gemüt
: Natur wird als vertraut und nah erlebt. Viele kleine unvorhergese­hene Erlebnisse lassen die Kinder mit freudiger Erwartung, und Aufmerksamkeit durch den Tag gehen. Als besondere Erfahrung bietet die Natur die Stille, d.h. das weit gehende Fehlen von Stress verursachendem Lärm. In Momenten der Stille und Besinnung können Kinder zu sich kommen. Dies zu können, ist für die Gesundheit eines jeden Menschen unabdingbar.

Umweltwissen:
Kinder fragen viel und wollen Antworten erhalten. In der Natur werden immer wieder neue Fragen aufgeworfen zu Geschehnissen, Pflanzen, Tieren und anderen Wesen. Es kommt dem Naturkindergarten nicht darauf an, dass die Kinder möglichst viele Namen von Pflanzen und Tieren nennen können, sondern dass sie auf Zusammenhänge aufmerksam werden. Außerdem sollen sie über gemeinsames Herausfinden der Lebens­bedingungen von Pflanzen und Tieren die Neugier für weiteres Erforschen entwickeln. Ziel dieser Wissensvermittlung ist die Kenntnis darum, dass alle Wesen dieser Erde miteinander in Verbindung stehen, dass wir gleichsam alle in einem großen Netz eingeflochten sind.

Selbstbewusstsein
: Kinder können mehr Selbstvertrauen entwickeln, wenn sie ihre Fähigkeiten z. B. im Klettern, Balancieren, Überwinden von Hindernis­sen erproben dürfen. Höhe, Weite und Tiefe können sie erleben. Sie lernen Gefahren einzuschätzen und zu bewältigen oder zu meiden. „Fallen lernt man nur durch Fallen“.

Sozialverhalten
: Die beruhigende Atmosphäre in der Natur mindert das Aggressionsverhalten. Die Weite und Grenzenlosigkeit verringert sozialen Stress und ermöglicht, einander auszuweichen. Konflikte können in einer ruhigeren Umgebung ausgetragen werden. Sich als Bestandteil einer Gruppe Gleichgesinnter zu fühlen vermittelt Geborgenheit. In altersge­mischten Gruppen können Jüngere von Älteren lernen. Ältere können Verantwortungsbewusstsein gegenüber Jüngeren entwickeln. Ungewohntes kann gemeinsam bewältigt werden, Hilfsbereitschaft wird selbstverständli­cher, ebenso wie der Austausch im Gespräch. Der Spielraum Natur regt besonders zum Rollenspiel an. Dabei lernen Kinder, selbst Spielregeln zu entwerfen und untereinander abzustimmen.

Risiken
Trotz der ‑ im Vergleich zu Regeleinrichtungen ‑ geringeren Unfallhäufigkeit (!) müssen besondere Vorsorgen getroffen werden. Mindestens zwei Erwachsene, i. d. R. eine ErzieherIn und die KinderpflegerIn gewährleisten die Aufsicht. Ersatzkräfte können sie bei Krankheit vertreten. Das Mobiltelefon ermöglicht rechtzeitige Abmeldungen und sichert das Herbeiholen von Hilfe bei Unfällen. Beim Durchstreifen von Wäldern, Hecken oder hohem Gras können die Kinder von Zecken befallen werden, die Überträger einer Bakterieninfektion, der Borreliose, sind. Die Eltern müssen daher die Kinder regelmäßig auf Zeckenbefall und insbesondere auf ringförmige Hautrötungen (Erythema migrans) kontrollieren. Durch Antibiotikabehandlung ist dann die Borelliose wirksam bekämpfbar. Der Gefahr des Befalls durch den Fuchsbandwurm (Eier auf Beeren und Pilzen) ist durch Händewaschen vor den Mahlzeiten zu begegnen. Es wird eine jährliche Blutuntersuchung auf beides empfohlen.
Anforderungen an die Erziehenden
Wertschätzung, Freude, Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder, Flexibilität, Lernbereitschaft, auch in Form von Fortbildungen, Liebe zur Natur, Naturverbundenheit, große Achtsamkeit, damit wirklich gefährliche Situationen oder ein Zer­splittern der Gruppe im Gelände vermieden werde. Und natürlich Wetterfestigkeit.

Aufnahme der Kinder
Im Kindergarten können Kind und Eltern hospitieren und die Leiterin führt ein Gespräch mit den Eltern. Voraussetzung für die Aufnahme ist die Mitgliedschaft eines Elternteils im Verein. Der Elternbeitrag richtet sich nach den städtischen Sätzen. Kinder aus der Stadt Rotenburg werden bevorzugt. Außerdem ist es uns wichtig, ein ausgeglichenes Mädchen/Jungenverhältnis zu haben.

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Naturkindergarten-Konzept Stand 07-2009

Waldkinderkippen-Konzept Stand 06-2009

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